Das Wort des Esels
(Eine Geschichte von Nasreddin Hodscha)

Eines Tages kam ein Nachbar zu Nasreddin und bat ihn:
"Bitte leih mir deinen Esel fr ein paar Stunden! Ich will in die Stadt reiten. Nachher bringe ich ihn dir gleich wieder zurck."

Nasreddin aber wollte seinen Esel nicht verleihen.
Er dachte kurz nach und fand eine Ausrede:
"Ich wrde dir ja gerne helfen, doch leider ist mein Esel nicht hier. Ich habe ihn schon jemandem geborgt."

Als der Nachbar unverrichteter Dinge gehen wollte, war ein lautes "Iah" aus dem Stall zu hren.
Da rief der Mann: "Nasreddin, du hast mich angelogen! Der Esel ist doch da."

Die Situation war nun fr Nasreddin sehr unangenehm geworden.
Er berlegte kurz, dann spielte er den Beleidigten und sagte vorwurfsvoll:
"Das ist gemein von dir! Wenn ich dir etwas sage, glaubst du mir nicht, dem Wort des Esels aber glaubst du! Du solltest dich schmen!"

Der Nachbar sah das ein: "Du hast recht, Nasreddin. Entschuldige bitte!"
Dann verabschiedete er sich und ging ohne Esel fort.