Allen Leuten recht getan
(Eine Geschichte von Nasreddin Hodscha)

Nasreddin Hodscha und sein Sohn hatten in der Stadt einen Esel gekauft.

Auf dem Heimweg kamen sie an ein paar jungen Mnnern vorbei.
"Seht euch die Dummkpfe an", rief einer von ihnen, "sie haben einen Esel zum Reiten und gehen zu Fu!"
"Der Mann hat recht", sagte Nasreddin, "setz dich auf den Esel, mein Junge!"

Kurz darauf trafen sie eine alte Frau.
"Unglaublich", schimpfte diese, "der Lmmel reitet und lsst seinen alten Vater laufen!"
"Sie hat nicht ganz unrecht", meinte Nasreddin und setzte sich selbst auf den Esel, whrend sein Sohn hinterherlief.

Danach begegneten sie einem Mdchen.
"Na, so was", rief sie, "der Vater reitet und der arme Bub muss laufen, dass ihm die Zunge aus dem Hals hngt! Warum kann er nicht auch auf dem Esel sitzen?"
Nasreddin gab ihr recht und sagte: "Komm, mein Junge, und setz dich hier vorne hin!"
Der mit Nasreddin und seinem Sohn schwer beladene Esel trottete nun langsam weiter.

Es dauerte nicht lange, da kam ihnen ein junger Bauer entgegen:
"Halt", rief er, "das ist ja Tierqulerei! Es wre leichter fr euch beide, den Esel zu tragen als umgekehrt."
"Na gut, wir knnen es ja probieren", sagte Nasreddin.

Nasreddin und sein Sohn luden sich also den Esel auf ihre Schultern und schleppten ihn das letzte Stck des Weges bis nach Hause.
Als Nasreddins Frau sie so kommen sah, rief sie entsetzt:
"Ich arme Frau! Mein Mann hat den Verstand verloren, er trgt seinen Esel nach Hause!"

Erschpft sagte Nasreddin zu seinem Sohn:
Du siehst, mein Junge, dass man es nie allen Leuten recht machen kann. Tu das, was dir gut dnkt, und du wirst dich dabei am wohlsten fhlen."
