Es bildete sich ein Gemisch
(Joachim Ringelnatz)

Es bildete sich ein Gemisch
von Stachelschwein und Tintenfisch.
Die Wissenschaft, die teilt es ein
in Stachelfisch und Tintenschwein.
Der Fisch bewohnt den Ozean.
Gefhrlich ist es, ihm zu nahn.
Das Tintenschwein trifft man in Bchern,
an Fingerspitzen, Taschentchern.
Es ist  das liegt ja auf der Hand 
dem Igelschwein noch sehr verwandt.
*

Bumerang
(Joachim Ringelnatz)

War einmal ein Bumerang;
war ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stck,
aber kam nicht mehr zurck.
Publikum  noch stundenlang 
wartete auf Bumerang.
*

Der Mensch braucht
(Joachim Ringelnatz)

Der Mensch braucht  ohne sich zu sputen 
zum Kilometer zwlf Minuten.
Die Wanderratte luft so weit
in ungefhr derselben Zeit.

Da nun genannte Wanderratte
bis dato stets vier Beine hatte,
wie schnell luft da ein Tausendfu?  
Ich wei es wirklich nicht - Weit dus?
*

Im dunklen Erdteil Afrika
(Joachim Ringelnatz)

Im dunklen Erdteil Afrika
starb eine Ziehharmonika.
Sie wurde mit Musik begraben.
Am Grabe saen zwanzig Raben.
Der Rabe Numro einundzwanzig
fuhr mit dem Segelschiff nach Danzig
und grndete dort etwas spter
ein Heim fr kinderlose Vter.
Und die Moral von der Geschicht? 
Die wei ich leider selber nicht.
*

Nein, schimpfte die Ringelnatter
(Joachim Ringelnatz)

Nein, schimpfte die Ringelnatter, die Mode
von heutzutage, die wurmt mich zu Tode.
Jetzt soll man tglich, sage und schreibe,
zweimal die Wsche wechseln am Leibe.
Und immer schlimmer wirds mit den Jahren.
Es ist rein um aus der Haut zu fahren!
So schimpfte die Ringelnatter laut
und wirklich fuhr sie aus der Haut.
-     -     -
Der Vorfall war nicht ohne Bedeutung,
denn zoologisch nennt man das Hutung.
*

Der Briefmark
(Joachim Ringelnatz)

Ein mnnlicher Briefmark erlebte
was Schnes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt.

Er wollte sie wiederkssen,
da hat er verreisen mssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens!
*

Im Park
(Joachim Ringelnatz)

Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
still und verklrt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
morgens wieder vorbei
und da trumte noch immer das Tier.

Nun schlich ich mich leise  ich atmete kaum 
gegen den Wind an den Baum
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.
*

Es trafen sich von ungefhr
(Joachim Ringelnatz)

Es trafen sich von ungefhr
ein Wolf, ein Mensch, sowie ein Br,
und weil sie lange nichts gegessen,
so haben sie sich aufgefressen.
Der Wolf den Menschen, der den Br,
der Br den Wolf.  Es schmeckte sehr.
Und blieb nichts brig als ein Tuch,
drei Haare und ein Wrterbuch.
Das war der Nachlass dieser drei.
Der eine Mensch, der hie Karl May.
*

Die Guh gibt Milch und stammt aus Leipzig
(Joachim Ringelnatz)

Die Guh gibt Milch und stammt aus Leipzig.
Wer zu viel Milch trinkt, der bekneipt sich.

Der Ochse gibt statt Milch: Spinat.
Er spielt am Nachmittage Skat.
*

Nie bist du ohne Nebendir
(Joachim Ringelnatz)

Eine Wiese singt.
Dein Ohr klingt.

Eine Telefonstange rauscht.
Ob du im Bettchen liegst
oder ber Frankfurt fliegst,
du bist berall gesehen und belauscht.

Gonokokken kieken.
Kleine Morcheln horcheln.
Poren sind nur Ohren.
Alle Blschen blicken.

Was du verschweigst,
was du den andern nicht zeigst,
was dein Mund spricht
und deine Hand tut,
es kommt alles ans Licht.

Sei ohnedies gut.
*

Ich habe dich so lieb
(Joachim Ringelnatz)

Ich habe dich so lieb!
Ich wrde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen
schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hngen der Eisenbahn
leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjhrt -
doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange whrt,
ist leise.

Die Zeit entstellt
alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir knnen nicht bleiben.

Ich lache.
Die Lcher sind die Hauptsache
an einem Sieb

Ich habe dich so lieb.
*

Kindersand
(Joachim Ringelnatz)

Das Schnste fr Kinder ist Sand.
Ihn gibts immer reichlich.
Er rinnt unvergleichlich
zrtlich durch die Hand.

Weil man seine Nase behlt,
wenn man auf ihn fllt,
ist er so weich.
Kinderfinger fhlen,
wenn sie in ihm whlen,
nichts und das Himmelreich.

Denn kein Kind lacht
ber gemahlene Macht.
*
